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Stadtwerke setzen auf Erdgas

ROTENBURG (sf) • „Aus der Sicht der Ameise“ beleuchtete Stadtwerke-Geschäftsführer Reinhard David den Energiemarkt und die Rolle des kommunalen Versorgers darin. Privatdozent Dr. Stefan Bayer oblag es, die „politische Steuerung im Zeitalter des Klimawandels“ aus der „Warte des Adlers“ zu betrachten. Bayer war auf Einladung der „Rotenburger Konferenz“, der die aktuellen wie ehemaligen Leiter von Behörden und Institutionen in der Kreisstadt angehören, zu Gast bei den Stadtwerken.

Winfried Reimann, ehemaliger Leiter der Polizeiinspektion, spinnt die organisatorischen Fäden der Rotenburger Konferenz, die sich seit rund 40 Jahren monatlich zum Informations- und Gedankenaustausch trifft. Im Rahmen des Jahresprogramms habe man Dr. Stefan Bayer gewinnen können, der unter anderem an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg im Fachbereich Human- und Sozialwissenschaften lehre, so Reimann.

Vor acht Tagen erst, berichtete Stadtwerkechef Reinhard David, habe man sich in einem Strategie-Workshop Gedanken über die energiewirtschaftliche Ausrichtung des Versorgers gemacht. Die umstrittene Beteiligung an einem Kohlekraftwerk hatte das Unternehmen bereits zu den Akten gelegt und sich kräftig in der Offshore-Windkraft engagiert - Schwerpunktmäßig, so David, widme man sich der Kraft-Wärme-Kopplung, habe im Neubaugebiet Knickchaussee und in der Dialyse an der Burgstraße neue Blockheizkraftwerke in Betrieb genommen und plane für den Sommer eine weitere große Anlage in den Rotenburger Werken zu bauen. Dann würde immerhin ein Fünftel des abgesetzten Stroms selbst erzeugt. Für die Befeuerung der Anlagen setzten die Stadtwerke auf Erdgas, sehe im Einsatz des fossilen Energieträgers die Brückentechnologie, die auch aus ökologischen Gründen geeignet sei, die Versorgung bis hin zur ausreichenden Verfügbarkeit von Strom aus erneuerbaren Ressourcen sicherzustellen. In der Einschätzung. so David, wisse man auch Greenpeace an seiner Seite.

David monierte, dass im Energiekonzept der Bundesregierung die Kraft-Wärme- Kopplung keinen Platz gefunden habe und kritisierte, dass die Regulierungen im Strom- und Energiemarkt mittlerweile für kleine Versorger kaum mehr tragbare Ausmaße annahmen. Enttäuscht zeigte sich David darüber, dass die Ökostrom-Offerte der Stadtwerke kaum auf Resonanz stoße. Das Unternehmen werde den Ökostrom weiter massiv bewerben. Er gehe davon aus, dass die Atomkatastrophe in Japan die Nachfrage nach Ökostrom, der kaum teurer sei als der herkömmlich erzeugte, deutlich beflügeln werde.

Für die Stromkunden der Rotenburger Stadtwerke hatte Reinhard David noch eine gute Nachricht im Gepäck. Die hundertprozentige Stadt- Tochter werde an ihrer Strompreisgarantie bis Februar 2012 festhalten, auch wenn an den Strombörsen die Preise zurzeit förmlich explodierten. Die von der Bundesregierung und betroffenen Ländern getroffene Vereinbarung auf (vorübergehende) Abschaltung der acht ältesten Atommeiler werde vermutlich auf den Strompreis durchschlagen. Die jetzt mit einem Moratorium überzogene Laufzeitverlängerung sei zu begrüßen. Im Herbst vergangenen Jahres hatte Reinhard David den Beschluss als „Schlag ins Gesicht der kleinen Versorger“ bereits heftig kritisiert.

Dr. Stefan Bayer analysierte den Klimawandel, berichtete über die Anstrengungen zur Verringerung des C02-Ausstoßes, die in Deutschland durchaus fruchteten, weltweit gesehen aber nicht griffen. Das wundere nicht, denn den Entwicklungsländern sei bereits 1992 eine „nachholende Entwicklung“ zugestanden worden. Die Einsparungen sollten danach in den Industrieländern realisiert werden. Die Auswirkungen der Erderwärmung machte Bayer an Beispielen fest. Steige die mittlere Temperatur in Europa um zwei Grad, so erwarteten Experten für den Süden der Republik das Ausbrechen der Malaria…

Rotenburger Kreiszeitung vom 23.03.2011

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