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Sorge um Zukunft des Wassers

Geschäftsführer der Stadtwerke und des Versorgungsverbands warnen vor Privatisierung

Für sie steht fest: Eine Weiterführung der Liberalisierung ist nicht verantwortbar und wird den Anspruch der Bevölkerung auf einen uneingeschränkten Zugang zu qualitätsgerechtem Wasser nicht gerecht. Wasser ist ein Allgemeingut und gehöre daher im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge in kommunale Hand. Wir sprachen darüber mit den beiden Geschäftsführern.

Herr David, wie groß ist Ihre Sorge um eine Privatisierung der Wasserversorgung?
David: Natürlich machen Wir uns große Sorgen. Ich befürchte, dass dies seit fast 100 Jahren funktionierende System der kommunalen Wasserversorgung in Deutschland künftig zumindest aufgeweicht wird. Meine Sorge ist außerdem, dass in der mittleren oder langfristigen Zukunft auch die Stadt Rotenburg die Wasserversorgung ausschreiben muss.

Mit welcher Konsequenz für den Kunden?
David: Die Gefahr ist dann, dass Konzerne oder ausländische Gesellschaften die Wasserversorgung nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung führen. Leider würde dann mit Sicherheit die Wasserqualität, die Wasserpreise und die Wasserverluste steigen, wie Erfahrungen in anderen Ländern zeigen. Mit einem Wort: Unser Lebensmittel Nr. 1, nämlich das Wasser, wäre in Gefahr.

Herr Meyer, wie sieht es bei den Wasserversorgungsverbänden aus?
Meyer: Wir als Flächenversorger handeln stets nach dem Prinzip der Daseinsvorsorge, denn auch ein einzelner unwirtschaftlicher Hausanschluss wird mit unserem Trinkwasser versorgt. Wasser ist seit jeher ein Allgemeingut. Darüber hinaus liefern wir ein Wasser in einer außergewöhnlich guten Qualität bei ständiger umfangreicher Instandhaltung unserer Wasserversorgungsanlagen - und dieses zu einem sehr günstigen Preis. Somit handelt es sich um eine nachhaltige Wasserversorgung. Auch die nachfolgenden Generationen sollen in den Genuss eines preisgünstigen und qualitativ ausgezeichneten Wassers kommen.

Und das wäre alles bei der Privatisierung weg?
Meyer: Da wir ein reiner Wasserversorger sind und keine Gewinne erzielen dürfen, dieses aber bei privaten Unternehmen notwendig ist, würden sich Preis und Qualität negativ verändern. David: Wir investieren 400 000 bis 500 000 Euro pro Jahr in die Wasserversorgung, um unsere hohe Qualität .aufrecht zu erhalten. Wenn jetzt ein privater Versorger die Wasserkonzession in Rotenburg übernehmen würde, ist damit zu rechnen, dass er diese Investition nicht mehr tätigt, um Gewinne zu erzielen.

Warum will die EU das Wasser überhaupt privatisieren?
Meyer: Dies ist für uns nicht nachvollziehbar, da ein funktionierendes System in Deutschland angegriffen würde. Das. Bundeskartellamt hat bereits auffällige private Unternehmen zur Wasserpreissenkung aufgefordert.

Hat denn das von über eine Million Europäern unterschriebene Bürgerbegehren „Wasser ist ein Menschenrecht" in Brüssel überhaupt keinen Eindruck gemacht?
Meyer: Ziel dieser Aktion war, mindestens eine Million Unterschriften zu sammeln, damit sich das Europäische Parlament erneut mit der Thematik beschäftigt. Heute liegen wir nahezu bei 1,5 Millionen Unterschriften. Das zeigt, dass die Bevölkerung unsere Meinung teilt und keine Veränderung möchte.
David: Wasser ist solch ein kostbares Gut, dass es aus dieser EU-Dienstleistungsrichtlinie herausgenommen werden muss.

Zum Thema:
Die EU-Kommission treibt die Privatisierung der Wasserbetriebe voran. Derzeit vor allem in den hoch verschuldeten Staaten Südeuropas. Doch auch hierzulande sorgen sich viele Menschen um die Zukunft einer bezahlbaren und qualitativ hochwertigen Wasserversorgung, wenn diese zunehmend in privater Hand ist. Die Initiative "Right 2 Water" hat europaweit inzwischen weit mehr als eine Million Stimmen gegen die Privatisierung der Wasserversorgung gesammelt. Sie will Brüssel dazu bewegen, die Pläne fallen zu lassen.

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